Fortsetzung der Familiendiagnose Der Halsschild ist sehr variabel und bei den einzelnen Gattungen sehr verschieden, mit auffallend kräftiger Struktur, Höckern und Kielen, oder eingeschnürt mit einem Hautsaum bei
Aridius und
Stephostethus oder mit einem weißen Sekret auf Halsschild und Unterseite bei
Metophthalmus oder an den Seiten glatt, winkelig oder gerundet mit kleinen Zähnchen und in der Mitte mit einem kleinen Grübchen vor der Basis
Corticaria, Corticarina, Bicava und
Melanophthalma. Ebenso verschiedenartig sind die Flügeldecken mit ihren Punktreihen, Börstchen und Haaren. Die vorderen Hüfthöhlen sind hinten geschlossen, die Hinterhüften quer, die Trochanteren kurz. Tarsen alle dreigliedrig (Tarsenformel: 3-3-3). Abdomen mit sechs Paar funktionellen Stigmen. Über Lebensweise und Verbreitung ist mit Sicherheit noch längst nicht alles erforscht und bekannt. Doch scheinen alle vorkommenden Arten mycetophag zu sein und sich vom Mycel und deren Sporen besonders niederer Pilze zu ernähren. Da Mycelien und deren Sporen fast überall vorkommen wird man diese Tiere auch überall in allen möglichen Biotopen finden können. Es scheint jedoch, daß auch hier gewisse Spezialisierungen auf gewisse Pilzarten, Feuchtigkeitsgrad und Temperatur vorhanden sind. Man findet die
Latridiidae in fast allen vom Schimmel befallenen und in Zersetzung befindlichen Vegetabilien, wie Gras-, Stroh- und Heuhaufen, Pflanzenabfällen, Komposthaufen und Schilf. In morschem Holz (Ameisengängen), Baumstubben, unter Rinde verpilzter Bäume, an Reisig, unter Laub, in Nestern, aber auch synanthrop in Wohnungen, Ställen, Feldscheunen, auf Dachböden in alten Wespennestern. Im Herbst (Monate September bis November) kann man viele Arten, mitunter in größerer Anzahl, aus alten noch stehenden Pflanzen und Disteln aus deren verdörrten Blütenköpfen sieben. Tannenzapfen die schon alt und vermodert, mit Reisig vermischt, wird man viele gute Arten sieben können. Ausgedörrte Blätter von geknickten Ästen, frisch abgeschälte Rinde oder auf den frischgeschälten Baumstämmen sind bei warmen und sonnigem Wetter beliebte Aufenthaltsorte dieser Käfer. Sehr gute Erfolge hatte Rücker immer wenn er in den Sommermonaten Gras- oder Heuhaufen an Waldrändern auslegte und diese dann im Herbst oder Winter gründlich siebte. Über die Zucht schreibt Rücker: Larven sind nur von den Gattungen
Latridius, Aridius [Abb. 17],
Dienerella und
Corticaria [Abb. 18] etwas genauer bekannt. Doch lassen sich viele Arten sehr gut und leicht züchten, wenn man den Tieren, die nicht sehr anspruchsvoll sind, einigermaßen günstige Lebensbedingungen schafft. Wichtig ist hierbei der Feuchtigkeitsgrad und eine gute Belüftung der Zuchtbehälter damit Eier, Larven und Puppen nicht verschimmeln und absterben. Guten Erfolg hatte Rücker immer in Petrischalen die nicht allzu dicht schließen, aber doch so, daß die Tiere nicht heraus können, an verschimmeltem Brot. Mit einem Pinsel bringt man Schimmelsporen, am besten, immer aus dem jeweiligen Biotop wo man die Tiere gefangen hat, auf sehr dünne (ca. 3-4 mm) Scheiben angefeuchteten Brotes und kann, sobald sich die erste Schimmelschicht erkennen läßt, die Tiere darauf setzen. Nach Rückers Erfahrung werden gerne Sporen und Pilzrasen von
Penicillium crustaceum, verwandten Arten oder andere Pilzarten von Edelpilzkäsen angenommen. Allerdings muß man je nach Art etwas experimentieren, da scheinbar doch einige
Latridiidae Feinschmecker sind und nicht alles als Futter annehmen. Wird das Futter aber angenommen, kann man in schon sehr kurzer Zeit eine Copula und Eiablage beobachten. Nach etwa vier bis acht Tagen sind die ersten kleinen Lärvchen geschlüpft. Die gesamte Entwicklungszeit beträgt je nach Art, Futterangebot und Temperatur 14 bis 20, auch 30 Tage.